Gottlieben, das Dorf an der Wespentaille des Bodensees

Literaturhäuser sind Einrichtungen in Städten. Das Bodmanhaus, unter dessen Dach die Stipendiatenwohnung liegt und auch die Lesungen des Kleinen Literaturhauses stattfinden, will mit jenen grossen, weltläufigen Orten nicht konkurrieren. Das Bodmanhaus ist in jeder Hinsicht anders. Das bedeutet Charme, Chance und Charisma oder, wie es der Präsident der Thurgauischen Bodman-Stiftung sagt: Das Bodmanhaus steht für das Kleine, das Ruhige und das Tiefe – für Literatur auf dem Land.

Hier möchten wir Sie willkommen heissen. Auf dass Sie wie viele Poetinnen, Schriftsteller und Übersetzer vor Ihnen zwei Monate hier arbeiten und am Ende dieser Wochen sagen können: Ich habe einen Ort entdeckt, eine Atmosphäre. So wie auch Literatur einen Ort und eine Atmosphäre hat.

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An der engsten Stelle zwischen dem weiten Obersee und dem kleineren Untersee, die zusammen den Bodensee ausmachen, liegt Gottlieben, ein Ort mit gut 300 Einwohnern. Beschaulich, verträumt, aber nicht verschlafen. Drei Viertel der Gemeindefläche steht unter Naturschutz, im Norden bildet der Seerhein die Landesgrenze. Die schönen Bürgerhäuser aus dem 17. Jahrhundert geben dem kompakten Dorf einen Anstrich von Vornehmheit und Wohlstand.

Das fast 800jährige Schloss war einst Bischofsresidenz, dann Kerker für den Reformator Jan Hus und kurzzeitig auch Absteige für Napoleon III. Anfangs des 19. Jahrhunderts kam es mitsamt dem grossen Park in Privatbesitz. Ab 1950 war das Anwesen das Zuhause der Opernsängerin Lisa della Casa, die hier bis zu ihrem Tod 2012 lebte.

Vom romantischen Laubengang der Stipendiatenwohnung aus in Richtung Westen erblickt man das Gemeindehaus, die Kirche, die Schule und den Brunnen – so wie es sich für ein überschaubares Dorf gehört.

Am Landesteg legen alle Kursschiffe auf ihrem Weg von Kreuzlingen über Konstanz an, bevor sie im Zickzack über den Untersee fahren, mal am deutschen, mal am Schweizer Ufer Passagiere aufnehmen, und schliesslich den Rhein hinab Schaffhausen zusteuern. Die gleiche Strecke kann man auch in umgekehrter Richtung zurücklegen. Radfahrer freuen sich, dass die 48 Kilometer lange Strecke fast durchgehend geteert ist. Wer's weniger sportlich mag oder wem eine Schifffahrt zu langsam ist, nimmt den Regionalzug ab Tägerwilen-Gottlieben, der im Halbstundentakt ebenfalls nach Schaffhausen fährt oder einen Richtung Osten nach Romanshorn bringt.

Man kann es aber auch ganz geruhsam haben: auf den Terrassen der Restaurants oder im Seecafé dem gemütlich dahinfliessenden Rhein, dem Spiel des Wassers mit der Luft zuschauen und sich zwischendurch mit der Bedienung unterhalten, die einem die Geschichte des Schlosses Arenenberg und dessen namhaften Bewohnern im benachbarten Ort Salenstein erläutert.

Gottlieben war nie ein Bauerndorf. Doch die Bezeichnung Marktflecken will auch nicht passen. Schon früh siedelten sich hier kleinere Industrien an. In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts profitierte die Gemeinde zunehmend vom Tourismus. Die Gastronomie, die zwei Bootswerften und die Hüppenmanufaktur sind heute die wichtigsten Arbeitgeber. Über die sündhaft guten "Gottlieber Hüppen" schrieb der Schriftsteller Klaus Merz einmal: Gott liebt die Hüppen und ich auch.

Sommer 2015



Wohnen und Schreiben

Die Gästewohnung des Hauses beherbergt vom Frühjahr bis zum Herbst Stipendiatinnen und Stipendiaten, die hier, in Ruhe und Intensität, ihrer schriftstellerischen oder übersetzerischen Arbeit nachgehen können. Die Stipendiaten und Stipendiatinnen werden entsandt von der «Kulturstiftung des Kantons Thurgau» und diverser Literatur-Zentren und Literatur-Organisationen.

Es besteht die Möglichkeit, dass Autorinnen und Autoren die Gastwohnung auch temporär mieten.
Kontakt: sekretariat@bodmanhaus.ch

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