Die Bodman-Haus-Ausstellung 2001 ist Freiherr von Lassberg gewidmet
«Des letzten Ritters Bibliothek»
Ab dem 7. April 2001 kann zum zweiten Mal eine Ausstellung im neuen Bodman-Haus präsentiert werden. Nachdem im Eröffnungsjahr 2000 an die Gottlieber Künstlerkolonie zu Beginn des 20. Jahrhunderts erinnert worden war, soll das Folgejahr einer Persönlichkeit gewidmet sein, für die genauso wie für Emanuel von Bodman das Bodenseegebiet ein zentrales Stück Heimat gewesen ist: der Germanist, Kulturgüterpfleger, Sammler, aber auch Politiker Joseph Maria Christoph Freiherr von Lassberg [1770-1855].
Freiherr von Lassberg hat auf Schloss Eppishausen bei Erlen im Thurgau über 20 Jahre gelebt und dort eine aussergewöhnlich wertvolle Bibliothek zusammengetragen. Diese für damalige Verhältnisse bedeutende Sammlung, worunter sich auch die Nibelungenhandschrift C befunden hat, ist dann nach seinem Tode in die Fürstlich Fürstenbergische Bibliothek in Donaueschingen übergegangen.
Gemeinschaftsprojekt Bodman-Stiftung / Kantonsbibliothek
In unseren Tagen wurde nun unter bedauerlichen Umständen die Donaueschinger und damit auch Lassbergs Gelehrtenbibliothek aufgelöst und auf verschiedenen Auktionen versteigert. Dank einer grosszügigen Spende von privater Seite konnte die Thurgauische Kantonsbibliothek jedoch 250 Bücher aus der Versteigerungsmasse erwerben. Dies war der Ausgangspunkt für die Idee des Stiftungsrats, ein Gemeinschaftsprojekt mit der Thurgauischen Kantonsbibliothek zu initiieren: die Lassbergschen Bücher sollten im Zentrum einer Ausstellung stehen, die Leben und Wirken dieses zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Freiherren dokumentiert.
Der «frühe Germanist»
Geboren in Donaueschingen waren Lassbergs weitere Lebensstationen Salem, die Schlösser Heiligenberg und Helmsdorf bei Immenstaad, Schloss Eppishausen im Thurgau sowie schliesslich die Meersburg, auf der er 1855 gestorben ist. Diese Lebensorientierung rund um den Bodensee zeigt deutlich, wie Lassbergs Leben und Wirken im wesentlichen auf den alemannischen Sprachraum ausgerichtet war. Völlig losgelöst von den politischen Grenzen seiner Zeit nannte er dieses Gebiet gelegentlich auch den «Sängergau», um zum Ausdruck zu bringen, dass er hier das Kernland der mittelhochdeutschen Minnesänger ansiedelte.
Lassberg war vor allem Sammler alt- und mittelhochdeutscher Handschriften und Inkunabeln. Es verwundert daher nicht, dass er mit seinem reichen Wissen, vor allem aber mit seiner vieltausendbändigen Bibliothek eine Forschungsstätte bieten konnte, die zu seiner Zeit einmalig war. Vor allem auf Eppishausen aber auch auf der Meersburg unterhielt Lassberg «ein offenes Haus» für alle, die sich mit der damals neuen, im Aufblühen befindlichen Wissenschaftsdisziplin der Germanistik beschäftigten. Lassberg war der intensive, uneigennützige Förderer dieser neuen Philologie; sein Einfluss auf die junge Germanistik ist kaum zu überschätzen. Zu seinen Freunden und Gästen zählten die Brüder Grimm, Gustav Schwab, Ludwig Uhland, Wilhelm Wackernagel, um nur die bekanntesten zu nennen. Auch der junge Thurgauer Geschichtsschreiber Johann Adam Pupikofer gehörte dazu und wird wohl der erfolgreichste Schüler dieses «alemannischen Freiherren» gewesen sein.
Der letzte deutsche Ritter
Das Mittelalter war Lassbergs Zeit, aus der er die Werte zu gewinnen suchte, die ihm als Zeitgenossen der Napoleonischen Kriege, der Restauration und schliesslich auch der Revolution ein Leben in Würde, Ganzheit und mit Sinn ermöglichen konnten. Er war wohl der letzte, der an «heiliger Stätte» auf Burg Trifels in der Pfalz den Ritterschlag empfing, mit 16 Jahren ein Jugenderlebnis, das sein Leben prägte, es in Bann hielt und ihn in die «heilige Pflicht» nahm.
Politiker und der «Schwager»
In seiner Zeit als Berater und Freund der Fürstin Elisabeth von Fürstenberg spielte er auch auf dem politischen Parkett eine wichtige Rolle. Wenn auch ohne Erfolg versuchte er auf dem Wiener Kongress 1814/15 das Fürstentum derer von Fürstenberg zu restaurieren und bestimmte so die politischen Geschicke des deutschen Südwestens mit.
Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er jedoch erst durch seine Heirat mit Maria Anna von Droste-Hülshoff bekannt, der älteren Schwester der bekannten Dichterin Annette von Droste-Hülshoff. Er heiratete «Jenny», wie man sie nannte, 1834 auf Schloss Eppishausen, um dann einige Jahre später auf die Dagobertsburg umzusiedeln. Dort auf der Meersburg konnte Lassberg ein geruhsames Familien- und Gelehrtenleben führen und überdies seiner berühmten Schwägerin eine neue Heimat in ihrer reichsten poetischen Zeit bieten.
Ihm, dem Freiherren von Lassberg, der sich selbst gern «Ritter Sepp von Eppishusen» nannte, ist dieses Gemeinschaftsprojekt der Thurgauischen Kantonsbibliothek und der Thurgauischen Bodman-Stiftung gewidmet.
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Begleitbuch und Rahmenprogramm
Es gehört zum Konzept der «Bodman-Haus-Ausstellungen», dass sie durch einschlägige Publikationen ergänzt und begleitet werden. Namhafte Wissenschaftler tragen diesmal Aufsätze zum Leben und Wirken Lassbergs bei. Vor allem seine Thurgauer Zeit soll im Mittelpunkt dieser Publikation stehen. Selbstverständlich wird ein spezieller Augenmerk auch seiner Bibliothek gewidmet sein. Dieses Begleitbuch wird als «Bodman-Haus Katalog Nr. 2» im April 2001 vorliegen und wieder beim Verlag Huber in Frauenfeld erscheinen.
Ein umfangreiches Rahmenprogramm soll Ausstellung und Begleitbuch ergänzen. Neben Fachvorträgen steht eine eintägige «Landpartie» auf dem Programm. «Auf Lassbergs Spuren» soll gewandelt werden. Diese Exkursion wird ausgewählte Lebensstationen von Lassberg rund um den Bodensee besuchen.
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